Paten für Kinder psychisch kranker Eltern

 

Kinder und Jugendliche, deren Eltern unter einer psychischen Erkrankung leiden, sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Es ist schwer für sie, das Verhalten der Mutter oder des Vaters zu verstehen. Nicht selten fühlen sie sich verantwortlich für die Situation der Familie. Häufig übernehmen sie Aufgaben im Haushalt oder in der Versorgung jüngerer Geschwister.

 

Mit Ihrer Patenschaft können Sie

  • einem Kind helfen, für ein paar Stunden unbeschwert Kind zu sein,
  • psychisch kranke Eltern im Alltag und in Krisensituationen so entlasten, dass das Kind in der Familie bleiben kann.

 

Eine verlässliche Beziehung aufbauen

Bei den Patenschaften von PFIFF geht es darum, zum Wohl der Kinder verlässliche und langfristige Beziehungen aufzubauen, die einem Verwandtschaftsverhältnis ähneln. Die PatInnen übernehmen eine ähnliche Rolle wie Tanten, Onkel oder Großeltern.

Wann und in welchem Umfang sich die PatInnen kümmern, wird verbindlich vereinbart. Die Eltern, die professionellen Begleiter der Eltern, die PatInnen und PFIFF schließen gemeinsam einen Kontrakt zur Betreuung des Kindes ab. Dadurch und durch regelmäßige Reflexionsgespräche erhält die Patenschaft einen verbindlichen Rahmen.

 

Das Kind in den Mittelpunkt stellen

Als Patin oder Pate betreuen Sie Ihr Patenkind in Ihrer eigenen Wohnung zu verabredeten Zeiten. Bieten Sie dem Kind eine möglichst unbeschwerte Zeit und helfen Sie ihm, die Sorgen um seinen psychisch kranken Elternteil für eine Weile zu vergessen. So schützen Sie es auch vor der Gefahr einer eigenen psychischen Erkrankung.

Der Elternteil, bei dem das Kind lebt – überwiegend sind es allein erziehende Mütter – profitiert ebenso von Ihrem Engagement. Er kann in der Zeit durchatmen und etwas für sich tun.

In akuten Krankheitsphasen und zur Bewältigung der elterlichen Erkrankung werden hin und wieder Klinik- bzw. Kuraufenthalte notwendig. In dieser Zeit nehmen Sie Ihr Patenkind im Rahmen einer kurzzeitigen Pflege bei sich auf. Es gibt aber auch Konstellationen, in denen das nicht notwendig ist, weil die Familien des Kindes diese Zeiten aus eigener Kraft überbrücken können.

 

Die Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern werden durch Zuwendungsmittel der Stadt Hamburg finanziert.

> Sie suchen eine Patenschaft für Ihr Kind?

Die Patenschaft ist eine Unterstützung für Menschen, die von psychischer Krankheit betroffen sind. Sie soll Ihr Kind und Sie entlasten. Mit der Patin/dem Paten bekommt Ihr Kind eine weitere Vertrauensperson – zum Spielen, für gemeinsame Ausflüge oder auch, um mal sein Herz auszuschütten.

Sie wissen, dass Ihr Kind bei der Patin/dem Paten in guten Händen ist. Sie haben dann etwas Zeit für sich und können sich um Alltagsangelegenheiten und die Bewältigung Ihrer Erkrankung kümmern. Wenn es Ihnen mal ein paar Tage oder Wochen nicht gut geht, so dass Sie sich nicht ausreichend um Ihr Kind kümmern können, springt die Patin/der Pate ein und nimmt
Ihr Kind bei sich auf. Von dort aus kann es in seine Kita oder Schule gehen, seine Freunde treffen oder seinen Hobbys nachgehen.

Wichtig ist, dass Sie Ihrem Kind das Gefühl geben, dass Sie mit der Patin/dem Paten einverstanden und davon überzeugt sind, dass es dort gut aufgehoben ist. Damit eine Patenschaft funktioniert, braucht es viel Vertrauen.

 

Wer sind die Paten?
Menschen, die sich als Paten bewerben, wollen Kindern konkret und unmittelbar helfen. Sie haben Spaß daran, sich mit Kindern zu beschäftigen. Patenbewerber können Familien, allein erziehende Mütter/Väter oder Menschen sein, die ohne Kinder leben.

Mit den Bewerbern führt PFIFF ausführliche Gespräche und bereitet sie intensiv auf ihre Aufgabe vor. Am wichtigsten ist uns, dass sie einen guten Kontakt zu Ihrem Kind aufbauen können und zuverlässig für Ihr Kind da sind.

Nach Möglichkeit vermitteln wir Paten, die in Ihrer Nähe wohnen – das macht vieles einfacher. Die Patin/der Pate kümmert sich zu fest vereinbarten Zeiten bei sich zuhause um Ihr Kind. Für ihren Einsatz bekommen Paten ein kleines Honorar.


Wie wird eine Patenschaft eingerichtet?
Wenn Sie den Eindruck haben, dass eine Patenschaft Ihrem Kind gut tun könnte, melden Sie sich gern bei PFIFF. Wir haben viel Respekt davor, dass Sie sich so um Ihr Kind sorgen und sich dafür einsetzen, dass es Entlastung bekommt.

Nachdem Sie sich bei uns gemeldet haben, klären wir mit Ihnen, ob wichtige Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehört, dass Sie von einer Fachkraft wie z. B. einer Sozialpädagogin/einem Sozialpädagogen oder einer Therapeutin/einem Therapeuten betreut werden und zu dieser Fachkraft ein vertrauensvolles Verhältnis haben.

PFIFF bekommt sehr viele Anfragen für Patenschaften – leider kann es zu Wartezeiten kommen, bis ein Platz frei ist. Wenn für Ihr Kind eine Patenschaft eingerichtet werden kann, ist entscheidend, dass die Paten und Sie einander sympathisch sind und beide Seiten das Gefühl haben, auch in schwierigen Zeiten miteinander klar zu kommen. Denn besonders für Ihr Kind ist es wichtig, dass die Patenschaft stabil ist und es eine verlässliche Beziehung zu seiner Patin/seinem Paten aufbauen kann. Wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, unterschreiben alle Seiten eine Vereinbarung mit den wichtigsten Punkten.

> Sie möchten eine Patenschaft übernehmen?

In einer Patenschaft stehen Sie einem Kind zur Seite, das bei einem psychisch erkrankten Elternteil aufwächst. Für dieses Kind sind Sie wie eine Tante oder ein Onkel: Sie nehmen sich an fest vereinbarten Tagen Zeit für das Kind, spielen mit ihm oder unternehmen gemeinsam etwas. So sorgen Sie dafür, dass das Kind seine Sorgen um den erkrankten Elternteil für einige Stunden vergessen und wieder einfach nur Kind sein kann. Gleichzeitig entlasten Sie die Eltern, die ausruhen und etwas für sich tun können.
Uns ist dabei sehr wichtig, dass zwischen Ihnen und dem Kind eine verlässliche, auf mehr als zwei Jahre angelegte Beziehung entsteht.

Was tun Patinnen und Paten?

  • Sie nehmen sich regelmäßig Zeit für Ihr Patenkind – bei sich zuhause oder bei gemeinsamen Unternehmungen.
  • Sie bauen zu Ihrem Patenkind eine vertrauensvolle und verlässliche Beziehung auf.
  • Sie sind für Ihr Patenkind da, denn um seine Eltern kümmern sich Fachkräfte. Im Ausnahmefall nehmen Sie das Kind auch für begrenzte Zeit bei sich auf – wenn die Eltern beispielsweise durch eine Krise oder einen Klinikaufenthalt nicht zur Verfügung stehen.
  • Um Sie bei Ihrer Aufgabe zu unterstützen, führen wir regelmäßig Gespräche miteinander. Zudem nehmen Sie an der monatlichen Patengruppe teil, wo Sie sich mit anderen PatInnen austauschen können.

 

Was bringen Sie idealerweise mit?
Freude am Umgang mit Kindern, Zeit und Geduld – das sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Aufgabe als Patin oder Pate. Aufgrund unserer Erfahrungen ist es auch hilfreich,

  • wenn Sie gut improvisieren können. Manchmal läuft es mit dem Kind und seinen Eltern anders als vorher geplant.
  • dass Sie wertschätzen, wie sehr sich die Eltern bemühen, sich gut um ihr Kind zu kümmern. Es ist aber auch wichtig, Abstand zu ihnen zu halten. Sie sind für das Kind da.
  • wenn Sie auch damit umgehen können, dass sich die Eltern mal anders verhalten, als Sie es erwartet haben. Das kann eine Auswirkung der psychischen Erkrankung sein.
  • dass Sie selbst in stabilen Verhältnissen leben. Sie sind ein Anker im Leben eines Kindes, das viel Stabilität braucht.

 

Über den gesamten Zeitraum der Patenschaft werden Sie von uns unterstützt durch:

  • individuelle Beratungsgespräche,
  • regelmäßige Reflexionsgespräche mit allen Beteiligten,
  • einen monatlichen Erfahrungsaustausch in der Patengruppe.

 

Es gibt einige formale Voraussetzungen für die Übernahme einer Patenschaft für ein Kind eines psychisch kranken Elternteils:

  • Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar,
  • Teilnahme an individuellen Beratungsgesprächen,
  • Vorlage von Führungszeugnis, Gesundheitszeugnis und Drogentest sowie
  • Eine Pflegeerlaubnis nach § 44 SGB VIII.

> Häufige Fragen

Wie werde ich während meiner Patenschaft begleitet?
Eine Fachkraft von PFIFF berät Sie regelmäßig. Alle drei Monate findet ein Reflexionsgespräch mit allen Beteiligten statt. Zudem können Sie sich einmal im Monat in einer Gruppe mit anderen PatInnen austauschen.

Kann ich weiterhin berufstätig sein?
Ja. Als Patin oder Pate kümmern Sie sich zu fest vereinbarten Zeiten um das Kind. Diese Zeiten werden mit Ihnen abgesprochen.

Muss das Kind in meiner Wohnung ein eigenes Zimmer haben?
Nein. Sie nehmen das Kind nur in besonderen Situationen (Krise oder Klinikaufenthalt der Eltern) bei sich zuhause auf.

Wie werde ich für meine Aufgabe vorbereitet?
Zur Vorbereitung besuchen Sie bei PFIFF ein Seminar der Hamburger Pflegeelternschule. Zusätzlich führen Sie Gespräche mit Fachkräften, die Sie nach Vereinbarung zuhause besuchen.

Bekomme ich auf jeden Fall ein Patenkind?
Das lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. PatInnen werden danach ausgewählt, ob sie zu den speziellen Bedürfnissen des Kindes passen. Zudem spielt es eine Rolle, ob es eine Anfrage aus Ihrem Bezirk gibt. Patin/Pate und Patenkind sollten nicht zu weit voneinander entfernt wohnen.

Wird mein Aufwand honoriert?
Für Ihr Engagement erhalten Sie eine angemessene Aufwandsentschädigung.

> Kontakt

Für einen ersten Kontakt wenden Sie sich bitte an unsere Geschäftsstelle unter der Telefonnummer 040.41 09 84-60 oder per E-Mail.

 

Ansprechpersonen in unserem Patenteam Kinder psychisch kranker Eltern: 

Ortrud Beckmann 040.41 09 84-68 E-Mail
Klaus Schuller 040.41 09 84-75 E-Mail
Michaela Wangelin 040.41 09 84-73 E-Mail

 

>> Unsere nächsten Informationsveranstaltungen <<

 

Fachtag „GemEinsam zuständig!“ Hinschauen und handeln für Kinder und ihre psychisch erkrankten Eltern.

 

PFIFF organisiert gemeinsam mit Institutionen aus den Bereichen Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Behindertenhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie den Fachtag „GemEinsam zuständig!“ Hinschauen und handeln für Kinder und ihre psychisch erkrankten Eltern.

 

Datum: 29.8.2018 in Hamburg im Universitätsklinikum Eppendorf. Mehr Infos demnächst!

 

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