Pflegeeltern für junge Flüchtlinge: eine besondere Aufgabe.

 Pflegefamilie für einen jungen Flüchtling zu sein, ist eine besondere Aufgabe. Sie bietet die Möglichkeit, ein Kind/einen Jugendlichen unmittelbar zu unterstützen und im Alltag als Familie neue, bereichernde Erfahrungen zu machen. 

 

Im Einzelnen kann das Zusammenleben mit einem jungen Flüchtling bedeuten, 

  • den Erwerb der deutschen Sprache wie auch den Erhalt der Herkunftssprache zu unterstützen, 
  • dem Jugendlichen bei der schulischen Integration und Berufsfindung zur Seite zu stehen, 
  • die Trauer eines Jugendlichen aufgrund der Trennung von Familienangehörigen zu begleiten,
  • emotionale Unterstützung im Asylverfahren zu geben,
  • regelmäßige medizinische oder psychotherapeutische Behandlungen zu begleiten.

 

Pflegefamilien erhalten ein monatliches Pflegegeld sowie einen Beitrag zu den Kosten der Erziehung. Sie werden bei ihrer Aufgabe von Fachkräften kontinuierlich beraten und unterstützt.

> Pflegefamilie werden

PFIFF sucht Personen, die offen und sensibel für die besonderen Erfahrungen von jungen Flüchtlingen sind oder eine eigene Flucht- oder Migrationsgeschichte haben. Sie sollten im Umgang mit Jugendlichen und Menschen aus anderen Kulturkreisen erfahren sein und Verständnis für Verhaltensweisen aufbringen, die aus starker Belastung resultieren können.

 

Zu den Voraussetzungen, um Pflegefamilie zu werden, gehören zudem ein existenzsicherndes Einkommen sowie ausreichender Wohnraum (in der Regel ein eigenes Zimmer für das Pflegekind).

 

Wenn Sie sich für die Aufnahme eines jungen Flüchtlings interessieren, werden Sie von uns umfassend informiert und auf diese Aufgabe vorbereitet.

 

Die Vorbereitung umfasst in der Regel einen Informationsabend zur Dauerpflege für junge Flüchtlinge, ein Erstgespräch, eine Schulung zur Aufnahme eines Kindes oder Jugendlichen in Vollzeit sowie weitere persönliche Beratungsgespräche. In der Schulung werden die wichtigsten Aspekte behandelt, die bei der Aufnahme eines jungen Flüchtlings in Ihrer Familie zu beachten sind. Sie erhalten umfassende Informationen zu den grundsätzlichen Fragen in der Dauerpflege sowie zu den Schwerpunkten wie Flucht und Trauma, interkultureller Kommunikation, Asyl- und Aufenthaltsrecht, Umgang mit Rassismus und Diskriminierung.

> Pflegefamilie sein

Pflegefamilien werden gut begleitet und unterstützt.

 

Wenn Sie ein Kind/einen Jugendlichen bei sich aufgenommen haben, steht Ihnen kontinuierlich eine Beraterin/ein Berater zur Seite und unterstützt sie bei Fragen, die im Alltag mit einem jungen Flüchtling auftauchen.

 

Wir bieten Ihnen darüber hinaus regelmäßig Fortbildungsabende zu spezifischen Flucht und Exil-Themen an. Und Sie haben die Möglichkeit sich mit anderen Pflegefamilien, die einen jungen Flüchtling aufgenommen haben, in einer angeleiteten Gruppe auszutauschen.

 

 

> Häufige Fragen

Wie alt sind die unbegleiteten jungen Flüchtlinge in der Regel?

Ca. 90 Prozent der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Hamburg sind zwischen 15 und 17 Jahren, eine relevante Zahl von Kindern ist zwischen 10 und 14 Jahren alt. Kinder unter 10 Jahren sind nur in geringer Zahl vertreten. Etwa 90 Prozent der allein eingereisten jungen Flüchtlinge sind Jungen.


Aus welchen Herkunftsländern kommen die unbegleiteten jungen Flüchtlinge?

Hauptherkunftsländer/-regionen der jungen Flüchtlinge sind Afghanistan, Eritrea, Somalia und der Nahe Osten (u.a. Syrien). Ein weiterer erheblicher Teil der Jugendlichen kommt aus Nordafrika (Ägypten, Marokko), Westafrika (Guinea, Gambia) sowie dem Iran und Irak.

Ist es möglich, ein Waisenkind in Pflege zu nehmen?

In den meisten Fällen haben die unbegleiteten jungen Flüchtlinge noch Eltern oder Elternteile, die im Herkunftsland leben oder auf der Flucht in einem anderen Land aufgehalten wurden. Insofern geht es für die jungen Flüchtlinge oft darum, wieder Kontakt zu ihren Eltern aufzunehmen oder herauszufinden, wo sie verblieben sind. In einigen Fällen können Eltern auch noch nachreisen oder im Rahmen des Familiennachzuges nach Deutschland kommen. Pflegefamilien sollten sich daher darauf einstellen, dass die Perspektive ihre Kinder in der Familie evt. begrenzt ist. Waisenkinder sind eher selten unter den jungen, unbegleiteten Flüchtlingen.

 

Können wir einen jungen Flüchtling in Pflege nehmen, wenn wir kleine Kinder haben?

Es ist nicht möglich, ein Pflegekind aufzunehmen, wenn ein Kind unter 2 Jahren in ihrer Familie lebt. Wenn Sie ältere Kinder haben, gilt die Regel, dass das Pflegekind möglichst das jüngste Kind in der Familie sein sollte. In Einzelfällen kann aber auch entschieden werden, dass ein Pflegekind aufgenommen wird, das älter ist als die bereits in der Familie lebenden Kinder. Dies würde im Rahmen des persönlichen Erstgesprächs und der Vorberatung gemeinsam geklärt.

 

Können wir uns als Pflegefamilie bewerben, wenn wir außerhalb von Hamburg wohnen?

Junge unbegleitete Flüchtlinge, die in Hamburg in Obhut genommen wurden, werden in der Regel innerhalb von Hamburg untergebracht. Im Einzelfall ist jedoch auch die Unterbringung in einer Pflegefamilie außerhalb von Hamburg möglich, so dass Sie sich auch als Pflegestelle mit Wohnsitz außerhalb Hamburgs bewerben können. Zudem können Sie sich in Ihrem örtlich zuständigen Jugendamt erkundigen, ob in Ihrer Kommune/Ihrem Landkreis minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aufgenommen und zu ihrer Unterbringung auch Pflegefamilien gesucht werden.

 

Welche Voraussetzungen braucht man als Pflegefamilie im Hinblick auf Einkommen und Wohnraum?

Pflegefamilien benötigen ein Einkommen, das über dem Sozialhilfesatz liegt, so dass sie nicht auf das Pflegegeld angewiesen sind. Der junge Flüchtling sollte die Möglichkeit haben, ein eigenes Zimmer zu bewohnen. Alle Familienmitglieder benötigen eine Rückzugs- und Schlafmöglichkeit außerhalb des gemeinsam genutzten Wohnzimmers.

 

Können wir nach Aufnahme eines jungen Flüchtlings weiterhin voll berufstätig sein?

Wenn Sie ein schulpflichtiges Kind oder einen Jugendlichen aufnehmen, kommt es vor allem darauf an, dass sie zu den Zeiten, zu denen das Kind nicht in der Schule ist, zu Hause präsent sein können. Vielleicht können Sie ihre Arbeitszeit entsprechend flexibel gestalten oder geringfügig reduzieren. Möglicherweise sind bei Aufnahme des Kindes/Jugendlichen einige Wochen zu überbrücken, in denen noch kein Schulplatz zur Verfügung steht. Hier müsste dann evt. durch Urlaub/Sonderurlaub ermöglicht werden, dass eine Pflegeperson das Kind zu Hause betreut.

 

Was müssen wir im Einzelnen tun, um Pflegefamilie zu werden?

Der erste Schritt ist die Teilnahme an einem Infoabend „Dauerpflege für junge Flüchtlinge“ bei PFIFF. Dann folgt ein persönliches Erstgespräch bei dem Pflegekinderdienst in Ihrem Wohnbezirk. Interessenten aus Wandsbek, Altona oder Bergedorf können sich auch bei PFIFF bewerben. Wenn die formellen Voraussetzungen erfüllt sind, nehmen Sie dann an zwei Seminaren zur Qualifizierung von Dauerpflegefamilien teil. Die Seminare werden teilweise als Wochenendseminare, teilweise in Form von Abendveranstaltungen angeboten und umfassen insgesamt 30 Stunden. Darauf folgt eine persönliche Vorberatung bzw. Eignungseinschätzung, die ca. 4-5 Gesprächstermine inkl. Hausbesuch beinhaltet. Der gesamte Prozess der Vorberatung und Qualifizierung kann ca. 6 bis 9 Monate dauern.